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Finale

Fahne Am gestrigen Donnerstag haben wir unsere Filmreihe beim aka Filmclub abgeschlossen. Als dritter und damit vorerst letzter Film wurde „Yossi & Jagger“ gezeigt. Vorab gab es eine Einführung über die schwul-lesbische Szene in Israel. Es wurde über die rechtliche Situation von Homosexuellen in Israel bzw. im Nahen Osten berichtet und einige Bilder von Gay-Prides in Tel Aviv und Jerusalem gezeigt.
Außerdem wurden zwei Bücher vorgestellt, in der die Sexualität in der israelischen Armee thematisiert wird. Hier die Titel zum weiterlesen: „Das Mädchenschiff“ und „Brothers and Others in Arms“.

Das Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft bedankt sich bei allen interessierten Zuhörerinnen und Zuschauern der Vorträge und Filme fürs Kommen und hofft, Ihnen und Euch allen Israel etwas näher gebracht zu haben.

Von Orangen und Soldaten

Jaffa Orangen

Handgreiflichkeiten wie bei der Vorführung von Claude Lanzmanns Film „Warum Israel“ in Hamburg gab es am gestrigen Abend in Freiburg nicht. Statt einem von Linksradikalen nachgestellten Checkpoint erwartete die Besucher des Films vor dem Hörsaal 2006 der Uni Freiburg ein Infotisch mit Materialien der Israelischen Botschaft, welche ein Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ausgelegt hat. Sogar die bekannten israelischen Jaffa-Orangen lagen zum Mitnehmen bereit. Diese Orangen waren übrigens auch im anschließenden ca. dreistündigen Dokumentarepos mehrfach zu sehen.

Nachdem auch der zweite Abend in unserer Filmreihe eine Menge interessierter Besucher angezogen hat, blicken wir schon mit Vorfreude dem dritten und damit leider auch vorerst letzten Film dieser Reihe entgegen. Am kommenden Donnerstag, den 28. Januar möchten wir „Yossi und Jagger“ zeigen. In diesem Film wird auf ungewöhnliche Weise die israelische Armee gezeigt.
Die IDF, die Armee zur Verteidigung Israels, gilt als eine der schlagkräftigsten Streitkräfte der Welt. In ihrem Land ist sie beinahe allgegenwärtig – schließlich befindet sich Israel bereits seit seiner Gründung in kriegerischen Auseinandersetzungen und ohne die IDF gäbe es den Staat nicht. Dieser Zustand führte zu einer Verpflichtung aller Staatsbürger/innen: junge Männer leisten drei Jahre Wehrdienst, Frauen zwei Jahre. In „Yossi und Jagger“ geht es aber nur am Rande um die IDF.
Yossi & Jagger

Hier wird zwar der Alltag von Soldat/innen beschrieben, im Mittel- punkt steht allerdings die Liebe zwischen dem Oberleutnant Yossi und seinem untergebenen Leut- nant Jagger. Da sie derselben Einheit angehören, sehen sie sich gezwungen, ihre Liebe zu verheimlichen. Im Film wird auf überflüssigen Pathos in der Liebesgeschichte und auf eine Idealisierung der Armee weitgehend verzichtet, hingegen sehr realitätsnah eine Geschichte beschrieben, die so ähnlich wirklich hätte passieren können. Aus diesem Grund, aber auch wegen der herausragenden Schauspieler/innen und der Musik ist „Yossi und Jagger“ mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Vorab gibt es eine kleine Einführung zur aktuellen Situation von Homosexuellen im Nahen Osten und natürlich speziell in Israel.

Weiter gehts… nächsten Donnerstag!

Nachdem der erste Abend unserer Filmreihe mit der Aufführung von der Rarität „Es waren Zehn“ und dem informativen Vortrag von Dr. Heinrich Schwendemann sehr gut besucht war, hoffen wir, dass es so – oder ähnlich – weiter geht. Schon am kommenden Donnerstag, den 21. Januar, zeigen wir den nächsten Film: die Dokumentation „Warum Israel“ von Claude Lanzmann, die nicht nur ein sehr gelungenes politisches Essay über das Israel der 60/70er Jahre darstellt, sondern zugleich eine persönliche Liebeserklärung an das Land ist. Lanzmann, der vor allem durch seine dreiteilige Dokumentation „Shoa“ bekannt geworden ist, interviewte für „Warum Israel“ eine Menge unterschiedlichster Personen im jüdischen Staat, wie Polizist/innen, Neu Eingewanderte, Jüdisch-Arabische Israelis etc. Hierbei steht die Frage nach der Anormalität der gelebten Normalität des Staates mit der besonderen Geschichte im Vordergrund, womit gleichzeitig eine Annäherung an die jüdische Identität im Schatten von Auschwitz erfolgt.
Lanzmanns Dokumentation aus dem Jahr 1972 besticht durch ihre unprätentiöse Umsetzung: So verzichtet Lanzmann sowohl auf Kommentare als auch auf Voice-Overs, sondern arbeitet lediglich eine 195-minütige Montage aus 50 Stunden Filmmaterial heraus. Damit bietet er keine konkret artikulierte Positionierung, sondern lässt vielmehr – wie es auf der Leinwand heute kaum noch geschieht – die Zuschauer/innen selbst denken.

Beginn: 20 Uhr (s.t.) im Hörsaal 2006 des KGII der Universität Freiburg.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Erster Teil der Filmreihe

Am Donnerstag, den 14. Januar ist der erste Teil unserer dreiteiligen Filmreihe im aka-Filmclub zu sehen. Dabei handelt es sich um den Spielfilm „Es waren zehn“ des Regisseurs Baruch Dienar aus dem Jahr 1960. Die weibliche Hauptdarstellerin des Films – Ninette Dinar – ist übrigens die Frau, die unseren Blog oben rechts ziert.
Ninette Dinar

Zur Handlung des Films:
Zehn Einwanderer aus dem zaristischen Russland – neun Männer und eine Frau – wagen einen hoffnungsvollen Aufbruch. In Eretz Israel, dem Lande Zion, wollen sie für sich fernab der antisemitischen Pogrome ein neues Leben aufbauen. Doch außer ihrer zionistischen Überzeugung bringen die Zehn kaum etwas mit, was ihnen den Neuanfang im Palästina unter osmanischer Herrschaft erleichtern könnte. Die harten Lebensbedingungen der Gruppe in einem heruntergekommenen Haus, ihre Schwierigkeiten mit der Bestellung des Landes und die Kontakte mit misstrauischen arabischen Dorfbewohnern sowie den türkischen Behörden lassen die Not vermuten, der die Einwanderer aus dem Russland des neunzehnten Jahrhunderts zu entfliehen suchten. Aber nicht nur die äußeren Bedingungen ihres neuen Lebens, sondern auch die sozialen Spannungen unter den isolierten Pionieren stehen dem Erfolg des Projekts im Weg. Das Motiv der Einwanderer, die sich in einem scheinbar leeren Land einrichten und zurechtfinden müssen, erinnert an den klassischen amerikanischen Western. Und wie dieses Format ist auch „Es waren zehn“ aufgeladen mit Ideologie.

Die Intention der israelischen Filmschaffenden der 60er Jahre war es, die gemeinsame Identität der sich formierenden Nation mitzugestalten. Und zum Selbstverständnis des jungen Staates gehörte die Glorifizierung zionistischer Gründungsmythen. Eine elementare Rolle spielen darin die Pioniere, die ersten Einwanderer nach Palästina, die ihr Selbstverständnis aus der jungen zionistischen Bewegung gewannen. Häufig wird diese Epoche des israelischen Kinos als „zionistischer Realismus“ bezeichnet. Inspiriert ist die Handlung des Films von Tagebüchern tatsächlicher früher Einwanderer aus Russland. Mit dem zionistischen Anspruch des frühen israelischen Kinos lässt Regisseur Baruch Dienar in „Es waren zehn“ also auch die Dokumentation erster Geburtswehen des Staates Israel verschmelzen.

Vor dem Film gibt Dr. Heinrich Schwendemann eine historische Einführung zur frühen Einwanderung von Juden nach Palästina.
Um 20 Uhr im Hörsaal 2006 der Uni Freiburg.

Ein Film sorgt für Aufruhr

Am 25. Oktober 2009 kam es in Hamburg bei der geplanten Vorführung von Claude Lanzmanns Dokumentarfilm „Warum Israel“ zu beunruhigenden Zwischenfällen. Der Film sollte von der örtlichen Gruppe Kritikmaximierung im Programmkino b-movie gezeigt werden, was jedoch von Linksradikalen aus dem benachbarten Internationalen Zentrum B5 gewaltsam verhindert wurde.
Auf die Verhinderung der Filmvorführung reagierten die Veranstalter mit dem Plan einer Widerholung des Films und einer Demonstration, die sich gegen die Angreifer aus der B5 und ihre Gesinnungsgenossen richtete. Die Erklärung „Antisemitische Schläger unmöglich machen – auch linke!“ wurde von zahlreichen politischen Organisationen, aber auch Künstlern und Einzelpersonen unterzeichnet.
Auch der Regisseur Claude Lanzmann war schockiert, als er hörte, dass ausgerechnet in Deutschland die Vorführung seines Films verhindert worden war. In einem Interview zeigte er sich außerdem besorgt darüber, dass eine Reaktion der großen deutschen Medien zunächst ausblieb.
Mit ein wenig Verzögerung erschienen dann aber doch Artikel in den großen Tageszeitungen, wie beispielsweise in der Zeit und im Tagesspiegel. Das Popkultur-Magazin Spex meldete sich zu Wort und der Spiegel veröffentlichte einen ausführlichen Bericht. Auch international gab es Reaktionen in der Presse. Zum Beispiel in der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post.
Am 13. Dezember 2009 konnte die Vorführung von „Warum Israel“ in Hamburg schließlich nachgeholt werden. Claude Lanzmann sandte dazu eine Grußadresse. Der Film soll am 18. Januar 2010 noch einmal in Hamburg vorgeführt werden. Dann ist Claude Lanzmann persönlich dabei.
In Freiburg wird „Warum Israel“ am 21. Januar im Rahmen der Filmreihe des Deutsch-Israelischen Jugendforums gezeigt. Das war lange vor den Vorfällen in Hamburg geplant. Dennoch möchten auch wir in Freiburg mit der Vorführung von Claude Lanzmanns Film ein Zeichen gegen die Übergriffe auf Kinobesucher in Hamburg setzen und hoffen, in Freiburg nicht mit solchen Anfeindungen rechnen zu müssen.
Aber nicht nur aus Protest soll der Film gezeigt werden. Auf die Frage, warum man „Warum Israel“ ansehen sollte, sagte Claude Lanzmann in einem Interview: „Weil es ein schöner Film ist. Weil er zwar Vielen bekannt ist, aber noch nicht Millionen. In meinen Augen ist Warum Israel ein Film, der seit seinem Erscheinungsjahr 1973 keine Patina angesetzt hat, der nicht gealtert ist. Weil es sich eben nicht um einen Propagandafilm handelt, sondern um ein Werk.“